Freitag, 1. Juni 2012

Rezension: Wulf Dorn - Mein böses Herz

Wulf Dorn - Mein böses Herz

Wenn dein Gewissen dich nicht ruhen lässt...

Inhalt:
"Er lächelte und in diesem Moment explodierte etwas in meiner Brust. Es war, als wollten hunderttausende von Schmetterlingen aus mir heraus ins Freie brechen. Ich tauchte in ein wundervolles gelbes Licht ein, wie in ein Meer aus unzähligen Sonnenblumen. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Es war wie ein Rausch, der mich schweben und alles vergessen ließ. Und dann küsste ich Julian. Ich konnte einfach nicht anders."
(S. 169)

Seit dem Tod ihres Bruders Kai hat Doro Halluzinationen. Sie sieht ihren Bruder und hört Stimmen und war deshalb auch in einer Klinik in Behandlung. Sie dachte, dass sie es überstanden hat, doch nach ihrem Umzug aufs Land geht alles von vorne los. Und dann glaubt sie eines Nachts einen kranken und abgemagerten Jungen in ihrer Gartenlaube zu sehen. Doch wer glaubt schon einem Mädchen, dass in der Psychiatrie war?

Meinung:
Wow - "Mein böses Herz" war mein erster Dorn - und jetzt werde ich mir bestimmt anschauen, was er noch so geschrieben hat.

Dorns Schreibstil hat mich direkt in die Geschichte um Doro und ihre Familie hineingerissen. Er beschreibt Doro, ihre Familie, die Probleme und Handlungen sehr detailliert und bildhaft. Man fühlt sich mittendrin.
Und auch die Spannung kommt hier nicht zu kurz - schon ab "Schwarze Erinnerung", welches ich als Prolog ansehe, spürt man den Sog und die Kraft der Geschichte - einmal angefangen kann man sich ihr nicht mehr entziehen. Auch Doros Erinnerungs-Flasbacks tragen zum Spannungsaufbau bei.

Der Autor beschreibt Doros Halluzinationen so real und ansgteinflössend, dass ich manches Mal eine Gänsehaut bekam. Und irgendwann war es mir als Leserin einfach nicht mehr möglich zwischen Halluzination und Wirklichkeit zu unterscheiden. Einfach genial!

Auch bei den Charakteren und ihrem Hintergrund hat Wulf Dorn mit viel Liebe zum Detail gearbeitet.
Doro ist Synästhetikerin. Sie verbindet mit Situationen, Menschen und Gefühlen Farben und reagiert auf viele Dinge sensibler als andere Menschen.  Diese Thematik der Überempfindlichkeit der Sinne und dieser Art von Wahrnehmung ist für mich sehr interessant und neu. Dieses Syndrom gibt dem Autor viel Spielraum, denn er auch sehr gekonnt ausnutzt. Die Beschreibungen von Doros Gefühlslagen, gekoppelt mit den Farben hat mich wirklich sehr fasziniert. Vom "Ich-fühl-mich-wohl-sonnengelb" bis hin zu "Rasend-vor-Wut-rot".
Aber auch Doros Mutter, Julian und David sind für mich Sympathieträger und verleihen der Geschichte Farbe und Tiefe.

Und so wie es angedacht war konnte Wulf Dorn Doro und mich bis zum Ende der Geschichte aufs Glatteis führen! Ein brillant durchdachter Jugendthriller, voll eindrucksvoller Charaktere! Unbedingt lesen!


Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich bei cbt!

Produktinformation:
Wulf Dorn - Mein böses Herz, erschienen im Februar 2012 bei cbt,
413 Seiten, 16,99 €

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