Donnerstag, 17. Mai 2012

Rezension: Jonas Winner - Davids letzter Film

Jonas Winner - Davids letzter Film


Krankhafte Genialität und der Wunsch nach dem perfekten Film

Inhalt:
"Der Raum ist vollständig gekachelt. Boden. Wände. Decke. In der Mitte des Fußbodens befindet sich ein Abfluss. Direkt darüber steht eine Pritsche mit höhenverstellbarem Kopfende, mehreren Riemen und einem Ausleger für den Arm. 
Auf der Pritsche liegt ein junger Mann. Fast noch ein Junge. Seine Augen sind tief in die Höhlen gesunken. Er blinzelt, sieht irritiert aus, verschreckt."
(S.10)

Florian Baumgartner, Journalist, bekommt den Auftrag ein Porträt über David Mosbach zu schreiben. Skandalregisseur und Florians früherer bester Freund.
David soll für seine Filme angeblich mit Menschen experimentieren und diese quälen.
Auf der Suche nach der Wahrheit findet Florian schreckliche Bilder und langsam taucht seine Vergangenheit aus der Versenkung wieder auf...

Meinung:
Jonas Winners Schreibstil ist an den meisten Stellen leicht und flüssig zu lesen. Die Stellen, die für mich nicht so leicht lesbar waren, waren Stellen, in denen es vor allem um die Technik des Filmemachens ging, um spezielle Einstellungen und die Wirkung von Bildern auf das menschliche Gehirn - aber ich bin halt keine Fachfrau.
Er versteht es Spannung aufzubauen und auch zu erhalten, wie zum Beispiel direkt am Beginn des Buches mit der Beschreibung des gekachelten Raumes und dem Film "Audience". Man muss nach diesen ersten Seiten einfach weiterlesen. Überraschungen und Schockmomente geben sich in diesem Buch die Klinke in die Hand.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, auch wenn einige der Nebencharaktere immer rätselhaft bleiben, aber dies ist auch ein Punkt der "Davids letzter Film" ausmacht - die Ungewissheit, nichts ist so, wie es zu sein scheint.
Florian Baumgarten kehrt in sein altes Umfeld zurück und nimmt Kontakt zu gemeinsamen Freunden aus der Vergangenheit auf.
Er stößt auf Geheimnisse, Angst, Geldgier und den Wahn den perfekten Film zu drehen.

Auf der Buchrückseite steht: "Ein Buch wie ein Film von David Lynch", und ich denke, dass trifft den Nagel auf den Kopf. Freunde von abstrusen Filmen (nicht negativ) werden mit "Davids letzter Film" wirklich gut bedient sein. Auch Leser, die sich für die Kunst des Filmemachens interessieren liegen mit diesem Buch richtig!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ (knappe)

Produktinformaion:
Jonas Winner - Davids letzter Film, 2011 im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen
352 Seiten, 8,95 €

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen