Dienstag, 1. Mai 2012

Rezension: Antje Wagner - Schattengesicht

Antje Wagner - Schattengesicht


Ein Buch wie ein Puzzle

Inhalt:
"Wir bekamen B nicht zu Gesicht. Aus irgendeinem Grund liefen wir uns nie über den Weg. Anfangs hatte mich das gewundert. Dann nicht mehr. So wie zwei Uhren in weit voneinander entfernten Ländern zwar in verschiedenen Stunden, aber dennoch im selben Takt ticken, so tickte auch unser Leben auf parallelen bahnen. Wir lebten unsichtbar nebeneinander her, und es machte mir Spaß, auf die Geräusche in der Wohnung nebenan zu lauschen."
S. 62

Milana und Polly sind eine Einheit, man kann sich den einen nicht ohne den anderen vorstellen - aber irgendetwas stimmt mit den beiden Frauen nicht. Milana und Polly sind auf der Flucht, sie leben in Abrisshäusern und versuchen nicht aufzufallen...

Meinung:
Was habe ich mich gefreut endlich wieder ein Buch von Antje Wagner in die Hände zu bekommen. Nach dem ich letztes Jahr im Sommer ihr "Unland" begeistert verschlungen habe, hatte ich nun natürlich auch hohe Erwartungen an "Schattengesicht".

Ihr Schreibstil ist wie ich es von ihr gewohnt bin angenehm und leicht zu lesen. Sie zeichnet mit ihren Worten ein detailliertes Bild, vielleicht sogar schon Psychogramm, von Milana und ihrer geheimnisvollen Freundin Polly.

Schon auf den ersten Seiten des Buches schaffte sie es meine Neugier zu wecken, denn Mila begegnet einem das erste Mal im Gefängnis - und diese Situation, dieser Handlungsort beschreibt die Gegenwart. Und von nun an beginnt man mit einer Reise in die Vergangenheit, bis hin zu Milas Kindheit. Auf dem Weg findet man ganz viele Puzzlestückchen die einsammeln und nachher zu einem großen Ganzen zusammensetzen muss.

Die Reise in Milas Vergangenheit war für mich als Leserin berührend, erschütternd und erklärend. Und während ich mich auf Spurensuche begab, keimten immer wieder zwei Gedanken in meinem Kopf::
"Nichts ist wie es scheint" und "Alles kommt anders als man denkt."

Mila und Polly haben mich beide sehr berührt und bewegt und zum nachdenken angeregt - vor allem Polly, gab mir immer wieder Rätsel auf.
Polly, die junge Frau, die für Aufsehen sorgt, sobald sie den Mund öffnet. Wieso ist das so?
Erst dachte ich nur an eine unangenehme Stimme, später einen Sprachfehler - meine Gedanken liefen in ganz viele verschiedene Richtungen.
Wie ihr seht haben die beiden mich ziemlich routieren lassen, aber grade das gefällt mir an Antjes Büchern auch so, sie gibt uns die Möglichkeit unserer Phantasie freien Lauf zu lassen.

Aber nicht nur Milana und Polly als Personen halten einen auf Trab, nein die ganze Geschichte lässt einen nicht mehr los, all die Gegebenheiten, Zufälle und Umstände, die zu der Ist-Situation führen, nehmen einen unweigerlich gefangen.

Wenn ihr Lust auf ein gut durchdachtes, spannendes aber ebenso geheimnisvolles Buch habt, dann solltest ihr "Schattengesicht" zur Hand nehmen!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich bei Antje Wagner und dem Bloomsbury Verlag!

Produktinformationen:
Antje Wagner - Schattengesicht, erschienen 2012 bei Bloomsbury (2010 im Quer Verlag)
189 Seiten, 7,95 €

Kommentare:

  1. Also mit "Unland" konnte ich ja damals absolut nichts anfangen, aber vll. sollte ich es mal mit Schattengesicht probieren, tolle rezi!

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  2. Oh, ich habe "Unland" geliebt, die Eulen - "Schattengesicht" ist aber wirklich empfehlenswert!

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